Kira van Eijsden & Marah Rikkli mit Gebärdensprache-Dolmetscherin
Art: Links: Sasha Huber | Rechts: Yasmin Müller
Bilder Tren Guerrero | Pascale Schreibmüller
Gossip – Reclaim The Circle
Gossip – Reclaim The Circle
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Kin – Das feministische Kunstfestival für mehr Verbindung | Photobastei Zürich Kuration: Kira Van Eijsden & Nikki Böhler | Festivalleitung: Marah Rikkli
11.-27.Juni 2026 | Workshop 19.Juni, Photobastei
Installation & Workshop
Der Begriff «Gossip» wird heute häufig als oberflächlicher Frauen-Klatsch abgewertet. Seine historische Bedeutung verweist jedoch auf eine einst zentrale soziale und politische Praxis. Abgeleitet vom altenglischen «god-sibling» bezeichnete «Gossip» im Mittelalter ein Netzwerk enger Vertrauter – meist Frauen –, die sich zur Begleitung von Schwangerschaft und Geburt versammelten. Diese Gemeinschaft bildete einen Raum kollektiver Fürsorge, Wissensweitergabe und ritueller Unterstützung.
Innerhalb dieser geschützen Sphäre gemeinschaftlicher Solidarität entstanden Formen von Autonomie, die bis in festliche Rituale im Wochenbett hineinreichten. Gerade diese Selbstbestimmung wurde im 16. Jahrhundert zunehmend reguliert und engeschräkt, da sie den herrschenden Autoritäten als bedrohlich erschien.
Die Arbeit greift den historischen Bruch auf, der mit den Hexenverfolgungen der Frühen Neuzeit einsetzte. Die systematische Abwertung weiblicher Netzwerke und reproduktiver Arbeit ging einher mit ihrer Kontrolle und Verdrängung in die private Sphäre. Kollektives Wissen wurde marginalisiert, soziale Bindungen geschwächt.
Vor diesem Hintergrund setzt das Projekt «Gossip – Reclaim the Circle» in der Gegenwart an. In Workshops wird die Praxis kollektiver Begleitung durch transformative Lebensübergänge neu belebt. Im Zentrum stehen stillborn (m)others, Menschen, die Verlust im Kontext von Schwanger-schaft oder Geburt erfahren haben und oft ohne soziale Unterstützung blieben. Durch gemeinsames Weben und Erzählen entsteht ein ereignishaftes Archiv – ein Resonanzraum für Erfahrungen, die historisch wie gegenwärtig häufig unsichtbar bleiben. Gleichzeitig eröffnet das Projekt Möglichkeiten für gemeinschaftliche Heilungsprozesse und neue Formen von Verbundenheit.
Quellen Titelbild | Sources Cover Image